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Cold Cases
Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund stellen die Einrichtung der Ermittlungsgruppe „Cold Case“ sowie neu aufgerollte Fälle vor
Bei einer Pressekonferenz haben die Leiterin der Kriminalinspektion 1, Kriminaldirektorin Anika Uhlmann sowie Ermittler des KK 11 der Polizei Dortmund und Staatsanwältin Gülkiz Yazir von der Staatsanwaltschaft Dortmund die Arbeit der Ermittlungsgruppe „Cold Case“ sowie sechs derer Fälle vorgestellt.
PLZ
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Polizei Dortmund
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Diese sind nun wieder aufgerollt worden. Die Ermittler hoffen dabei auch auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Das Landeskriminalamt (LKA) NRW hatte zuvor durch den Einsatz erfahrener Ermittler, die aus dem Ruhestand zurückkehrten (sog. „Senior Experts“), die ungeklärten Tötungsdelikte ab dem Jahr 1970 in Nordrhein-Westfalen erneut überprüft. Für das Polizeipräsidium Dortmund einschließlich der Kreise Unna, Soest, HSK und Hamm wurden dadurch 42 Fälle identifiziert, bei denen ggf. durch den Einsatz neuester kriminaltechnischer Untersuchungen eine Fallklärung noch möglich sein könnte. Der Erste Kriminalhauptkommissar (EKHK) Carsten C. Philipps, Leiter des KK 11, lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den Dienststellen des LKA NRW und der Staatsanwaltschaft Dortmund und möchte genau daran anknüpfen.

In der Vergangenheit konnten die Mordermittler des KK 11 bereits zwei sogenannte „Altfälle“ lösen: den Mordfall aus Dortmund um Nicole-Denise Schalla sowie den Fall aus Soest-Ostönnen um Ursula Scheiwe. In beiden Fällen führten neue Untersuchungsmethoden und weiterführende Ermittlungen zur Aufklärung der Straftaten.

Die Ersten Kriminalhauptkommissare Carsten C. Philipps und Gregor Schmidt des KK 11 haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, bislang ungeklärte Mordfälle aufzuklären – denn Mord verjährt im Gegensatz zu Totschlag nicht. Die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten liegt deutschlandweit bei weit über 90 Prozent. Die Ermittlungsgruppe „Cold Case“ des Polizeipräsidiums Dortmund -  bestehend aus dem EG-Leiter EKHK Gregor Schmidt, drei erfahrenen Mordermittlern des Kriminalkommissariats 11, einem Kriminaltechniker, drei Regierungsbeschäftigten (ehemalige Mordermittler, die aus dem Ruhestand zurückkehren) und jüngeren Mordermittlern - widmet sich nun den nicht geklärten Fällen. So versuchen die Ermittler neue Ermittlungsansätze herauszuarbeiten und durch die Anwendung neuester kriminaltechnischer Methoden doch noch Spuren zu finden, die zur Tatklärung führen könnten.

Doch manchmal gelingt der Durchbruch bei den Ermittlungen nicht. Deswegen gehen Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt an die Öffentlichkeit und setzen zusätzlich auf Hinweise aus der Bevölkerung. 

Der erste Fall, der die Ermittler vor ein Rätsel stellt, ist ein Tötungsdelikt aus dem Jahre 1991 in Dortmund-Scharnhorst. Die damals 28-jährige Dekorateurin Heike Kötting wird erstochen in ihrem Reihenhaus aufgefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der oder die Täter durch einen Kellerschacht ins Haus gelangten. Das Auto der Dortmunderin wurde wenige Tage nach der Tat auf einem Autobahnrastplatz in Frankreich aufgefunden. Am Mittwoch, 17. Januar 2024, wird dieser Cold Case bei der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ ausgestrahlt. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat für den entscheidenden Hinweis eine Belohnung von 5.000 Euro ausgelobt. 

Ein Fall aus dem Jahre 1986 bewegt die Ermittler besonders: In Unna wurde der damals elfjährige Marc Gutte tot in einem Maisfeld aufgefunden. Todesursächlich war stumpfe Gewalt gegen den Kopf. Am Leichnam konnte aktuell eine DNA-Spur gesichert werden, die aber nicht in der Datenbank erfasst ist. Dieser Fall zeigt: Auch Jahrzehnte später können Kriminaltechniker feinste Spuren auswerten, neu analysieren und bewerten.

Ein weiterer Cold Case aus dem Jahre 1986 beschäftigt die Kriminalkommissare. Der damals 67-jährige Joseph Milata, der homosexuell war, lud regelmäßig junge Männer zu sich in seine Bergkamener Wohnung ein. Am 26. September wurde Milata dann mit zahlreichen Stichverletzungen aufgefunden. Zudem wurde er stranguliert. 

Auch hier konnten Wissenschaftler des LKA Düsseldorf DNA-Spuren extrahieren, die allerdings mehreren Personen zugeordnet werden können. Da die DNA-Spuren auch von Berechtigten in der Wohnung hinterlassen worden sein könnten, konnte bislang kein Tatverdacht sicher begründet werden.

Bereits mehr als 45 Jahre liegt ein weiterer Cold Case zurück: 1977 wurde Heinrich Brüggemann in seiner Wohnung in Arnsberg tot aufgefunden. Der 37-Jährige lag mit zahlreichen Messerstichen und Schnittverletzungen in seinem Badezimmer. Aktuell ist davon auszugehen, dass Täter und Geschädigter sich kannten. Der Gastwirt, der oft nur „Heino“ genannt wurde, war homosexuell. Die Ermittler fanden in seiner Wohnung ein Kondom mit mutmaßlicher Täter-DNA, doch in der Datenbank gab es noch keinen Treffer. Nach der Tat nahmen unbekannte Täter die Tageseinnahmen des Wirts mit sowie einen Revolver. Die bisherigen Ermittlungen haben nicht zur Ergreifung des Täters geführt. 

Gesucht wird in diesem Zusammenhang ein junger Mann, der zu diesem Zeitpunkt etwa 17 bis 18 Jahre alt war, schwarze Haare hatte und ggf. einen Zahndefekt. Der mutmaßliche Täter und das Opfer trafen in der Gaststätte „Sternkeller“ in Arnsberg aufeinander. Dort zeigte der Mann einen Entlassungsbrief seiner Ausbildungsfirma vor und fuchtelte dabei mit einem etwa 20 cm langen Messer herum. Heinrich Brüggemann verließ an diesem Tag gemeinsam mit dem jungen Mann die Gaststätte und ging mit ihm zur „Capri-Bar“, die vom Opfer geführt wurde.

Zeugen, die Hinweise zu den oben vorgestellten Fällen geben können, werden gebeten, sich bei der Kriminalwache Dortmund zu melden: Tel. 0231/132-7441. 

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