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Ganzheitlicher Ansatz bei der Bekämpfung von Jugendkriminalität in den Stadtteilen und im Zentrum – Polizeipräsident Gregor Lange zieht Bilanz aus 2023
Lfd. Nr.: 0255

„Wenn bereits die Jüngsten unter uns straffällig, ja gar zu Intensivtätern werden, dann ist das schockierend. Und dann müssen wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um diesen jungen Menschen zu verdeutlichen, dass der Rechtsstaat stark ist." So hatte sich Polizeipräsident Gregor Lange erst im August geäußert. Ein Grund für ihn, das Kriminalkommissariat 32, das sich mit den Straftaten jugendlicher Straftäterinnen und -täter beschäftigt, zum 1. September 2023 personell zu verstärken.
PLZ
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Polizei Dortmund
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Nur eine Maßnahme von vielen, die die Polizei Dortmund im vergangenen Jahr getroffen hat, um dem Problem der Jugendkriminalität entschieden entgegenzutreten. „Gruppen von Jugendlichen, die Straftaten begehen und einschüchtern, verunsichern die Menschen in Dortmund und Lünen. Das können wir als Polizei Dortmund nicht hinnehmen“, ergänzte Lange. „Und das haben wir im vergangenen Jahr mit zahlreichen Maßnahmen klargemacht.“

2023 waren rund 22 Prozent aller Tatverdächtigen von Straftaten in Dortmund (5.551 von 25.759, Lünen: rund 26 Prozent und 589 von 2.259) unter 21 Jahre alt. Das bedeutet in Dortmund eine Steigerung von rund 2 Prozentpunkten und in Lünen von etwas mehr als 4. Bei den Körperverletzungsdelikten betrug der Anteil der Unter-21-Jährigen ebenfalls mehr als 20 Prozent in Dortmund (1.185 von 5494) und in Lünen fast 30 Prozent (155 von 537), bei den Raubstraftaten in Dortmund sogar nahezu 50 Prozent (234 von 494) und knapp über 50 Prozent in der Nachbarstadt (14 von 26).

Diesem Trend hat die Polizei Dortmund im letzten Jahr auf verschiedenen Ebenen den Kampf angesagt – mit vielen Erfolgen. So führten die Beamtinnen und Beamten mehrere Schwerpunkteinsätze zur Bekämpfung der Jugendkriminalität durch. Der Fokus lag dabei auf den Dortmunder Stadtteilen Aplerbeck und Scharnhorst sowie der Innenstadt und auf Lünen-Brambauer. Insgesamt vier direktionsübergreifende Schwerpunkteinsätze zur gezielten Bekämpfung der Jugendkriminalität gab es in 2023. Hinzu kamen weitere Maßnahmen wie zum Beispiel ein Präsenzeinsatz zu Halloween in Scharnhorst und zahlreiche weitere in den betroffenen Bereichen. Zudem werden auffällige Jugendliche auch im täglichen Dienst durch den Wachdienst bei erkennbarem Bedarf angesprochen, kontrolliert und mit erforderlichen Maßnahmen belegt.

Am 13. Oktober beispielsweise kontrollierten die Einsatzkräfte in Dortmund und Lünen mehr als 130 Personen, sprachen über 20 Platzverweise aus. Am 28. April wurden 110 Personen kontrolliert und 33 Platzverweise ausgesprochen. Während dieses Einsatzes gelang u.a. die Festnahme dreier jugendlicher Tatverdächtiger nach einem Raub und die Sicherstellung einer Schreckschusspistole.

Neben Präsenz und Kontrolldruck auf der Straße sind es die Ermittlungen im Hintergrund, die ebenfalls dazu beigetragen haben Zeichen zu setzen. Zeichen, die teils sehr deutlich ihre Wirkung gezeigt haben. In Hörde hatten Beamte beispielweise bereits im Januar zwei 15 und 16 Jahre alte Jugendliche festgenommen, die im Verdacht stehen, mehrere Straftaten im Ortszentrum begangen zu haben. 

In Scharnhorst führten umfangreiche Ermittlungen Ende Juni zur Festnahme eines 14-jährigen Dortmunders. Gerade strafmündig geworden, endete dieser in Untersuchungshaft. Er war bereits vor Erreichen des 14. Lebensjahres mehrfach auffällig geworden und führte dies nach seinem Geburtstag nahtlos fort – auf sein Konto gingen u.a. Raubstraftaten und Körperverletzungen. Mit der Festnahme sendete die Polizei ein klares Zeichen an Jugendgruppen, die in dem Stadtteil wieder auffielen. Hatte es in Scharnhorst vor der Festnahme sieben Raubdelikte durch dieses Täterklientel gegeben, war es im restlichen Jahr nur noch eins.  

In Aplerbeck sprachen die Beamten 2023 gegen sechs polizeibekannte Jugendliche vier Wochen geltende Bereichsbetretungsverbote für den Ortskern aus. Dies zeigte bei einem Großteil der Betroffenen eine positive Wirkung, die anschließend nicht mehr oder nur vereinzelt auffielen. Im November konnte die Polizei einen 16-jährigen Tatverdächtigen ermitteln, der im Verdacht steht, im Zuge einer Auseinandersetzung einen Jugendlichen mit einem Messer lebensgefährlich verletzt zu haben. Auch nach einer Auseinandersetzung auf dem Apfelmarkt, bei der ein 40-jähriger Mann schwer verletzt wurde, konnte die Polizei schnell zwei Tatverdächtige (15) festnehmen.

In Lünen verfehlte 2023 vor allem ein Urteil seine Wirkung nicht: Ein 17-jähriger Intensivtäter wurde für mehrere Delikte – darunter Diebstähle mit Waffen und PC-Betrug - zu einer Jugendfreiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Ähnliches war für Dortmund im November zu verbuchen. Ein als Intensivtäter im Dortmunder Haus des Jugendrechts geführter 18-Jähriger wurde ebenfalls zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Davon offenbar nachhaltig beeindruckt, begingen er und sein 18-jähriger Freund, ebenfalls Intensivtäter, in der Folgezeit keine weiteren Straftaten. Zuvor waren beide durch Gewaltdelikte im Dortmunder Süden in Erscheinung getreten.

Das Fazit, das der Dortmunder Polizeipräsident aus all diesen Erfolgen zieht, ist, dass sich die Situation in den zuvor durch Jugendkriminalität stärker belasteten Ortsteilen Hörde, Aplerbeck, Scharnhorst, Innenstadt und Brambauer verbessert hat. „Das bestätigen mir sowohl die Beamtinnen und Beamten in den Wachen als auch im Jugendkommissariat.“ In der Innenstadt haben dazu sicherlich auch die temporäre Videobeobachtung im Bereich der Kampstraße Ende 2022 sowie die in 2023 verstärkten Präsenz- und Kontrollmaßnahmen beigetragen.

Dass die Ermittlungserfolge möglich waren, das führt der Polizeipräsident vor allem auf eine essentielle Tatsache zurück: „Im Bereich der Jugendkriminalität pflegen wir eine umfangreiche Netzwerkarbeit – innerhalb der Behörde, mit Sicherheitspartnern, aber auch Partnern aus der Jugendarbeit. Ohne diese Netzwerkarbeit wären derart schnelle Erfolge nicht immer möglich. Aus diesem Grund sehe ich die Arbeit im Dortmunder Haus des Jugendrechts auch weiterhin als so wichtig an.“

Dort sind neben dem ermittelnden Kriminalkommissariat 32 die Staatsanwaltschaft Dortmund sowie die Stadt Dortmund mit Vertretern der Jugendgerichtshilfe vertreten. „Ich erfahre immer wieder von den hier arbeitenden Kollegen, dass die räumliche Nähe sowie der enge, regelmäßige Kontakt große Vorteile in der Bearbeitung der Delikte bringen. Teils schaffen es die Ermittelnden so schneller Beschlüsse zu erwirken – und somit auch schneller wirkungsvolle Ergebnisse“, erklärte der Polizeipräsident. „So wie bei dem Intensivtäter aus Scharnhorst, der kurz nach seinem 14. Geburtstag in Untersuchungshaft saß.“

Die Arbeit im Bereich Jugendkriminalität sieht Gregor Lange durchaus als besonders an. „Hier kommt neben den Ermittlungen vielen anderen Aufgaben eine hohe Bedeutung zu – der persönlichen Ansprache der Tatverdächtigen, dem Kontakt zur Familie, der Netzwerkarbeit mit Einrichtungen der Jugendhilfe bzw. Jugendarbeit, aber auch mit anderen Polizeidienststellen.“ So werden in diesem Netzwerk auch Gespräche mit strafunmündigen Tatverdächtigen geführt - bis hin zur Aufnahme in das Projekt „Kurve kriegen“. „Diese Kinder und Jugendlichen mögen strafunmündig sein. Wir sehen es aber als wichtige Aufgabe an, ihnen klar zu machen: Wir haben euch als Polizei im Blick. Andererseits muss es Ziel sein, kriminelle Karrieren im Keim zu ersticken. Hier mag das Strafrecht nicht den richtigen Rahmen bieten, wir schaffen uns aber gemeinsam mit Netzwerkpartnern unseren eigenen.“

Bewährt hat sich im Jugendkommissariat die Arbeit mit dem Intensivtäter-Konzept. Das bedeutet unter anderem, dass diese ihren eigenen Sachbearbeiter haben. Auch in Lünen greift im zuständigen Kriminalkommissariat das Intensivtäterkonzept, zu dem die Maßnahmen eng mit Staatsanwaltschaft und Stadt abgestimmt werden. Denn die Arbeit mit straffälligen Jugendlichen zeigt immer wieder: Folgt die Strafe für ihr Handeln „auf dem Fuße“, also aufgrund guter Zusammenarbeit zeitnah, zeigt sie – bei dem Betroffenen, aber auch in seinem Umfeld – die größte Wirkung. 

Das tun aber auch die präventiven Maßnahmen der Polizei, die in enger Abstimmung mit den Ermittelnden erfolgen. Seit über 25 Jahren sind in Dortmund und Lünen beispielsweise die Jugendkontaktbeamten im Einsatz. Sie halten den vertrauensvollen Kontakt zu den weiterführenden Schulen und erfüllen dabei vor allem zwei Aufgaben: die als Ansprechpartner bei Problemsituationen oder Straftaten an der Schule und die der Aufklärer. Regelmäßig halten sie Vorträge u.a. darüber, welche Straftaten Jugendliche begehen, wie gefährliche Gegenstände rechtlich bewertet werden und welche Gefahren im Netz und in Sozialen Medien lauern. Gemeinsam mit der Schulleitung werden anlassbezogen Vorträge und Workshops entwickelt. Die Jugendkontaktbeamten stehen im engen Kontakt mit Schulleitungen und Sozialarbeitern, aber auch zum Jugendamt und Trägern der Jugendarbeit. Intern halten sie den Kontakt zum Jugendkommissariat und unterstützen beispielsweise Ermittlungsmaßnahmen nach Straftaten im Schulumfeld.

Zu den Aufgaben der Jugendkontaktbeamten gehören aber auch immer wieder Maßnahmen im Zusammenhang mit Jugendkriminalität außerhalb von Schulen. Wie wirkungsvoll das sein kann, zeigt ein Beispiel aus Dortmund. Hier arbeiteten die Jugendkontaktbeamten 2023 mit einer Betreuungseinrichtung zusammen, in der ein Junge immer wieder mit Aggressionen und Übergriffen – auch gegenüber Betreuern – auffiel. In Zusammenarbeit mit dem KK 32 und der Einrichtungsleitung führten die Jugendkontaktbeamten zahlreiche Gespräche. Die Rückmeldung der Betreuer nach den intensiven Maßnahmen: eine deutliche Verhaltensänderung des Jungen. 

Neben den Jugendkontaktbeamten sind die Beamtinnen und Beamten des Kommissariats Vorbeugung in Präventionsmaßnahmen mit einbezogen. Sie setzen bereits in den Grundschulen mit Veranstaltungen an – bei Eltern sowie Lehrkräften. Die Themen: vor allem die Gefahren durch digitale Medien, aber auch das Thema Messer. „Für alle, die sich mit dem Thema Jugendkriminalität beschäftigen, derzeit eines der vorherrschenden Themen und Problemen“, betont der Polizeipräsident. „Mir macht es große Sorgen, dass es heutzutage selbst für Kinder und Jugendliche offenbar teils ganz normal ist solch gefährliche Gegenstände mit sich zu tragen.“ 

„Was bei all dieser Arbeit das wichtigste ist: Hier arbeitet niemand allein für sich “, erklärt Gregor Lange. „Denn eins ist klar: Als Polizei können wir Jugendkriminalität nicht alleine eindämmen. Bei dieser Zielgruppe sind auch erzieherische Maßnahmen wichtig - im Elternhaus, in Jugendeinrichtungen, Schulen, in der aufsuchenden Jugendarbeit sowie der Sozialarbeit."

 Mit Blick auf den Frühling stellt der Polizeipräsident abschließend fest: „Uns ist bewusst, dass mit steigenden Temperaturen wieder mehr Bewegung in unseren Schwerpunktbereichen zu erwarten ist. Dann treffen sich Jugendliche wieder draußen. Und das sollen Sie auch tun. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch! Was wir als Polizei aber nicht tolerieren, das sind Straftaten, Pöbeleien und die Einschüchterung anderer Menschen, die ein ebenso großes Anrecht darauf haben, das schöne Wetter in Ruhe zu genießen.“ Ein Grund dafür, dass die Polizei Dortmund ihr Präsenzkonzept zur Bekämpfung der Jugendkriminalität noch einmal angepasst hat. Konzentrieren werden sich die Maßnahmen auch 2024 auf den Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion 3, zu dem u.a. Aplerbeck, Scharnhorst und Lünen gehören. Mit kontinuierlicher Präsenz ist es das Ziel, den Kontroll- und Sanktionsdruck durch niedrigschwelliges Einschreiten hoch zu halten.

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